Leitideen

Kamp-Lintforts städtebauliche Struktur ist überwiegend durch den Verlauf und die Topografie der Großen Goorley geprägt. Ausnahmen bilden das Kloster Kamp und die Zeche Friedrich-Heinrich, die beide jeweils eigenständige orthogonale Ordnungsgefüge etablieren. Im Laufe des Verstädterungsprozesses von Kamp-Lintfort bleibt die Große Goorley als grünes Rückgrat erhalten. Gleichzeitig orientieren sich die neu entstehenden Siedlungsteile aber jeweils um eigene Zentren und wenden sich von dem Flusslauf ab. Anknüpfungspunkte für den Entwurf sind

- eine stärkere Verknüpfung zwischen der Großen Goorley als durchlaufendes grünes Rückgrat und den angrenzenden Stadtquartieren

- sowie eine Akzentuierung des Kontrasts zwischen den landschaftsgeprägten und den orthogonalen Ordnungssystemen Kamp-Lintforts.

Zechenpark, Promenade und Quartiersplatz

Die zukünftige Parkfläche ist geprägt durch den landschaftlichen Verlauf der Großen Goorley sowie den langen Bogen der Ringstraße mit ihrer imposanten Platanenallee am östlichen Rand. Dagegen entwickelt sich das geplante Zechenquartier linear und öffnet sich über orthogonal eingefügte Plätze und Fugen zum angrenzenden Park. Dieser Kontrast soll für den Entwurf des Zechenparks und für die Freiräume des Stadtquartiers aufgegriffen und betont werden:

- Prägend für den Zechenpark sind die langgestreckten Bögen des Flussverlaufs. Die Modellierung der beiden Hügel des Landschaftsbauwerks, der Gehölzsaum entlang der Großen Goorley sowie die Wegeführung im Park ordnen sich diesem Motiv unter.

- Dagegen betonen Promenade und Plätze entlang der Parkkante das orthogonale Ordnungsgefüge des zukünftigen Quartiers Friedrich-Heinrich, das auf dem westlichen Teil des Zechenareals entstehen wird.

- Im Zentrum des neuen Quartiers liegt der Quartiersplatz. Durch die beiden sehr hohen Fördertürmen und seine große Fläche erinnert der Platz an die Vergangenheit des Ortes und die Ausdehnung der früheren Nutzung. Er fungiert als Vermittler zwischen Park und Quartier, mit seinem Hain aus Großbäumen und dem hohen Anteil an offenen, sich begrünenden Flächen. Gleichzeitig bietet der Platz verschiedene Nutzungen: Er erlaubt mit der zum Park hin orientierten größeren Fläche aus Betonplatten klassische Platznutzungen sowie und bietet besondere Aufenthaltsqualitäten mit dem dort integrierten Wasserspiel und den vielen Sitzgruppen unter Baumschatten.

Wege und Verbindungen

Der Zechenpark bildet einen wichtigen Baustein im Verlauf der Großen Goorley als grünes Rückgrat. Mit der Öffnung des Zechengeländes können künftig die angrenzenden Quartiere sowie das Stadtzentrum Kamp-Lintfort wieder miteinander verbunden werden. Dazu werden drei unterschiedliche Wegetypen vorgeschlagen:

- Quartierspromenade: Die nordwestliche Parkseite wird durch eine linear ausgebildete, 1,4 km lange Promenade begleitet. Leicht erhaben - wie ein Perron ausgebildet - betont und inszeniert sie den Übergang zwischen Quartier und Park.

- Uferweg und Passpfade: Die südöstliche Parkkante wird durch den weich geführten Weg entlang der Großen Goorley eingefasst. Der Weg ist an den Wasserlauf angeschmiegt. Parallel zu diesem Weg wird das Landschaftsbauwerk durch zwei Passpfade erschlossen.

- Querungen: Sie dienen als kurze und direkte Verbindungen in Ost-West-Richtung zwischen dem zukünftigen Zechenquartier und den im Osten angrenzenden Stadtquartieren, insbesondere der ‘Altsiedlung’.

Grünes Rückgrat Große Goorley und WandelWeg

Die Große Goorley mit dem parallel laufenden Wandelweg verbindet das Zechenareal mit dem ehemaligen Zisterzienserkloster Kamp im Nord-Westen der Stadt. Um die Große Goorley als grünes Rückgrat wieder zu gewinnen, wird die Geh- und Radwegeverbindung entlang des bereits bestehenden Wandelwegs gestärkt. Der Fußweg wird ausgebaut und durch einen neuen Radweg ergänzt. Die bestehenden Freiräume entlang des Flusslaufs werden miteinander verknüpft: die Hochzeitswiese, das Steinkohlewäldchen, das Stephanswäldchen und die Freiräume an der Hochschule Rhein-Waal. Als grüne Treffpunkte sind Bänke und Sitzgruppen entlang des Wegs ergänzt und markieren unterschiedliche Etappen im Verlauf des Weges.

Kloster Kamp/Paradiesgärten

Das Klosterareal mit seinen historischen Gartenanlagen und Nutzungen bleibt weitgehend in seiner bestehenden Form erhalten. Punktuelle Interventionen verbessern dabei die Aufenthaltsqualität der Flächen und ihre Orientierung. Eine überarbeitete Wegeführung verbessert die Verbindung zwischen Wandelweg und den verschiedenen Klostergärten. Ergänzend laden drei neue Paradiesgärten mit Staudenbeeten und Wasserspiegel zum Verweilen ein. Wie die bestehenden Anlagen richten sie sich räumlich zum Landschaftsraum der Großen Goorley aus.