Unkraut auf der Landesgartenschau? Nein! Wichtige Pflanzen für die Artenvielfalt

Seit einigen Wochen wird es grün auf dem Quartiersplatz und der Sparkassenpromenade. Der Grund: Die angelegten Schotterflächen, die sich durch die Pflasterflächen ziehen, bieten Raum für die Ausbreitung einer Ruderalvegetation.

Besonders bei dem Besuch des Quartiersplatzes und dem Flanieren über die Sparkassenpromenade des Zechenparks werden Landesgartenschaubesucher von verwilderten Schotterflächen umgeben. Doch, ist das etwa unerwünschtes Unkraut, was dort sprießt?

„Nein!“, lautet die klare Antwort von Kirsten Holsteg, Mitarbeiterin der Landesgartenschau gGmbH, die die Bepflanzungen des Gartenschaugeländes betreut. „Diese Schotterflächen bieten Wildkräutern der sogenannten Ruderalvegetation, die besonders an trockene, steinige und häufig auch heiße Standorte angepasst sind, eine wunderbare Möglichkeit, sich hier im Zechenpark zu etablieren“, erläutert sie das Vorkommen des vermeintlichen Unkrauts.

Vielfalt an Pflanzen

„Wir möchten hier im Park eine Vielfalt an Pflanzen zeigen, dazu gehören besonders auch die Wildkräuter“, ergänzt Holsteg. Denn diese Pflanzen haben für den Naturhaushalt des Standorts einen besonderen Wert: Sie sind standorttypisch, haben sich eigenständig gesät und gedeihen ganz ohne Pflege. Dabei bieten diese Arten besonders auch einheimischen Tierarten eine wichtige Nahrungsquelle. 

Derzeit sind unter anderem schon Nachtkerze, Johanniskraut, Königskerze, Wilde Möhre oder Steinklee zu finden, für die Zukunft freut sich Kirsten Holsteg auf weitere Arten: „Natternkopf, Leimkraut, Wegwarte und weitere interessante Arten könnten sich schon ab dem nächsten Jahr auf den Schotterflächen ausbreiten.“

Gestalterisch nehmen diese Flächen Bezug auf die ehemals zahlreich vorhandenen Bahngleise des Zechengeländes und erinnern damit an die vergangene Nutzung des Zechenparks. Auch schottrige Gleisbette sind typische Standorte der Ruderalvegetation.

 

Über die Ruderalvegetation:
Zur Ruderalvegetation gehören vorwiegend krautige Pflanzen, die auf gestörten, meist von Menschen beeinflussten, Flächen - beispielsweise Brachen - gedeihen. Der Begriff leitet sich aus dem Lateinischen ab, rudus bedeutet übersetzt Schutt oder Trümmer. Die Pflanzenarten, die an solchen Standorten wachsen, sind besonders an steinige, feste und nährstoffarme Lebensbedingungen angepasst und ertragen auch hohe Temperaturen, die sich auf den meist steinigen Flächen bei direkter Sonneneinstrahlung schnell entwickeln.
Ruderalfluren sind in Siedlungsgebieten und der Kulturlandschaft, unter anderem durch den Einsatz von Pestiziden oder der Versiegelung von Flächen, selten geworden. Für die Erhaltung der Artenvielfalt ist es wichtig, dass eine Entwicklung einer Ruderalvegetation an geeigneten Stellen zugelassen wird und dass Standorte, wie es beispielsweise im Zechenpark umgesetzt wurde, geschaffen werden.

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Foto: Stefan Büschken.